Nachtberichte
finde ich
die antwort nicht.
im schweigen
finde ich
die antwort nicht.
im spiegelscherben
den du mir hältst
wie deine hand zittert
kein bild.
wolken
die hinterm horizont
verschwinden.
übers ziel hinausschiessen?
ach herrje,
das bedeutet nichts.
im rundkurs der inneren ringe
kreiselst du.
die gravitation
des schwarzen auges
hält dich fest
im zentrum.
mein pfeil über dir
perforiert den tintenhimmel
silbernes sternenlicht
fällt um deine schultern,
unbemerkt.
Valeska Dietrich - 6. Jan, 23:41
halle der bäume.
geöffnet für uns.
wie opferstöcke
die vogelhäuser
oder postkästen
dort werfe ich anträge ein
an's heilige fatum.
lass es dauern,
schreibe ich,
eine weile noch,
schreibe ich.
schwarzer stoff verweht
im davongehen.
stundenglasticken.
wir bleiben noch
für eine weile.
in den baumhallen
tragen buchen
unseren himmel
noch für eine zeit.
später wird himmelblau
meine krone sein,
dann bin ich
ohne dich
nicht mehr da
nicht mehr wahr.
Valeska Dietrich - 6. Nov, 20:17
der die erwartungen an den kommenden tag kurz hält.
manchmal, zu selten nur, ist die nacht aber auch ein treibhaus in dem wildkräuter wie z. B. begehren, lust, freude und hingabe wachsen - allem besseren wissen zum trotz.
so eine treibhausnacht wünsch ich uns schon mal noch...
Valeska Dietrich - 26. Aug, 21:53
uhrzeiger rücken lärmend voran, ich blättere buchseiten knallend aufeinander. mit quietschenden reifen brettert ein gedanke um die ecke und hält an. eine angst steigt aus, nähert sich mit explodierenden schritten. poren ziehen sich laut knirschend zusammen. klirrend tropft kalter schweiß von meiner stirn.
dann steht sie vor mir und ich lache: "dich hab ich doch schon durchlitten, du kannst wieder gehn"
enttäuscht wendet die angst sich ab, von hinten sehe ich das gerippe, es klappert versöhnlich davon.
mittlerweile hat die hoffnung die gitterstäbe aufgebogen und bricht endlich aus. ich folge ihr unauffällig.
Valeska Dietrich - 20. Aug, 22:39
leichte nacht,
schweres wetter.
zwei körper
atmen,
herz
im rippengitter
weiß nicht
wohin.
im arm
alles zurechtgelegt,
plötzlich -
für sekunden -
angekommen.
dazu himmelspercussion
auf zeltdächer
so laut!
verstehe
meine gedanken
nicht mehr.
wäscht mich
das wetter
dir unter die haut -
unbemerkt
Valeska Dietrich - 11. Aug, 07:35
schlagwerk auf zelthaut / weggegangen - wiedergekommen / alles durcheinandergemacht wie immer / immer ich - die andern sind ordentlich und klar und aufgeräumt / bei denen gibt eins und eins immer zwei und hat hand und fuß und teppichhaftung und ist so wies sein soll / die nehmen sich was sie brauchen / was soll die fragerei? / die sagen: das da und das und das und das.... / mit gut trainierten ellenbogen kommen sie daher / haben kein schlechtes gewissen
und dann noch der regen
sagte jo, wenn wir uns stritten über unsinn / und dann noch der regen / und dazu dieser von-schräg-nach-auf blick / und dann: eine umarmung und gut ists / wie lange schon her? / so lange - und wie gestern erst / wollte auch gerne sagen: umarmung und gut ists / aber die lippen zundertrocken / das wasser von der decke und / mir im gesicht mein eignes / wer weiß warum /diese nacht extra für uns: himmelspercussion / von doppelter zelthaut vollgeheult / kein mond, kein stern / nicht nötig für diesmal / nicht nötig / war ja alles da: eine wärme / ein körper /ein atem / geruch von haar und haut /warme füße, vier stück / sogar ein arm eine weile / und gut ists.
später wehten rauchfahnen nachtwärts / im morgengrauen durchs land tauchen / bin gar nicht da / bin unter der haut geblieben / keiner hats gemerkt / was war denn gewesen? / nichts mein herz, lass nur / alles gut geworden / alles gut geblieben / alles gut / alles ....
unter deiner haut - und dann noch regen!
Valeska Dietrich - 10. Aug, 19:02
ich spüre spannung in deinem rücken, an deinen schultern, da und da und da... lass mich hand anlegen, meine hand - nicht zu warm nicht zu kalt, was duftet ist leichtes öl - rosmarin - ich liebe diesen duft. geschmeidiger gleitet nun meine handfläche über deine haut. das rückgrat hinauf hinunter, wirbelkörper wie perlen, drumherum der finger, sanft, nichts verrücken, alles loslassen, losmachen. lass los, bleib bei dir, erst mal ganz bei dir. summe ich eine silbe die dir flügel wachsen lässt, geburtshelfer: meine hände. alles harte streiche ich dir aus den muskeln und alle bösen tage, schiebe sanft handflächen unter schulterblätter. flieg! alles verbogene wirf weg, alle lasten lass los . die schultern umkurven, sacht, mit den schüsseln aus fingern. hinunter langsam an den seiten, die rippenleiter hinunter, um die hüften fassen, kreisend um die pobacken. schön? dreh dich um!
Valeska Dietrich - 5. Aug, 20:25
Die helle Nacht.
Nach dem Weggang des Sterntrinkers
spielt der alte Himmel ein anderes Lied.
Käfer buchstabieren vergessene Worte auf Haut.
Der Verlauf einer Stunde ist ein Vorhang aus Gedanken.
Fischschwänzige, geschwätzige Gedanken
die an der Oberfläche für Gekräusel sorgen.
Grübeltiefe Gedanken die den Fischen folgen
ins Dunkel am Grund
um ernst zu werden.
Im Algengrün,
wo das Alleinesein schmerzt
wie ein hundertjähriges Lied
das - nie gesungen - nach oben will,
nach Licht verlangt,
nach Wahrheit giert,
nach Wort
nach Zeit
nach Lust
giert
und ums Geborenwerden
ringt
zu alt zum Sterben
zu schön zum Verklingen
DU
mein Lied.
Valeska Dietrich - 28. Jul, 23:00
Dunkelheit legt sich um meine Schultern
dort wo Dein Arm heut lag.
Sterngeklirre schallt in meinen Ohren
viel heller als Dein Wort.
Fledermausschreie schrecken mein Nachtherz
das flügelt bunt zu Dir.
Vier Sehnsüchte weit von Deinen Händen
lieg ich erfüllt von Dir.
Deine träumenden Worte ruhn sich aus
auf meiner müden Haut.
Valeska Dietrich - 27. Jul, 12:42